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  • 20:41 am 1. April 2014 Permalink | Antwort  

    PM: Details zur Hausbesetzung und Räumung der Aktion „Leerstelle“ 

    01.04.2014

    Unter dem Namen „L__rSt*ll*“ (Leerstelle) wurde am 15. März 2014 die leerstehende Professorenvilla in der Georg-Voigt-Straße 10 besetzt. Die Besetzung wurde noch am gleichen Tag ohne eine Möglichkeit des Gesprächs mit der städtischen Politik und ohne Verhandlungsbereitschaft des Eigentümers, der städtischen ABG Holding, mittels Polizei beendet und das Haus gewaltsam geräumt.

     

    Zur Besetzung

    Sporadisch eingerichtet war das Haus bereits: Es gab ein behelfsmäßig eingerichtetes Café, in dem Kaffee, Kuchen und weitere Kleinigkeiten gegen eine freiwillige Spende angeboten wurde. Wasser war bereitgestellt, Strom kam vom Generator und auch für Musik war gesorgt. Zudem gab es bereits eine dokumentarische Ausstellung mit Fotografien und Texten über Leerstand und vergangene Besetzungsprojekte. Diese ist mittlerweile auch in digitaler Form auf dem Blog der Aktion L__rSt*ll* (leerstelle.blogsport.eu) einsehbar. Ein kostenfreies warmes Abendessen, welches auf Grund der frühen Räumung an einen anderen Ort verlegt werden musste, wurde ebenfalls vorbereitet. Des Weiteren sollte am Abend ein Vortrag über Leerstand und mögliche Nutzungen desselben in Anlehnung an das 2013 geräumte Institut für vergleichende Irrelevanz stattfinden. Es wurde also von Beginn an versucht einen Freiraum für kulturelle Entfaltung und kritischen Dialog aktiv zu gestalten.

    Ein derartig selbstverwalteter Raum ist schon seit geraumer Zeit ein Anliegen verschiedenster politischer Gruppen und Aktivist_innen in Frankfurt. Allerdings schenkte der rechtliche Eigentümer des Gebäudes, Frank Junker, Vorsitzender der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, und auch die städtische Politik diesem politischen Interesse wieder einmal kein Gehör. Junker erklärte sofort nach seiner Ankunft vor dem Gebäude, dass dieses innerhalb von 15 Minuten zu verlassen sei – sonst würde es „ungemütlich“. Denn wenn er „das nicht gleich mache“, so Junker gegenüber der Frankfurter Rundschau, dann „bekomme man die Leute irgendwann nur noch zivilrechtlich da raus und das könne dauern”.

    Der Protest gegen den massiven Leerstand in Frankfurt und die Verdrängung autonomer und alternativer Kultur und Kulturprojekte, der in dieser Besetzung seinen Ausdruck fand, sollte direkt mittels Kriminalisierung unterbunden werden. Jegliche Verhandlungen, wie beispielsweise über eine Zwischennutzung des Hauses, wurden ausgeschlagen. Und so wurde es dann wirklich „ungemütlich“ für die 26 Aktivist_innen, die sich dazu entschlossen hatten im Haus zu bleiben und ihren Interessen so Nachdruck zu verleihen.

     

    Zur Räumung

    Die Polizei ließ über ihren Lautsprecherwagen verkünden, dass lediglich die Personalien der im Haus befindlichen Aktivist_innen festgestellt würden, bevor diese dann zu den etwa 100 Unterstützer_innen vor dem Haus stoßen dürften. Das stellte sich im Zuge der folgenden Ereignisse als Falschaussage heraus.
    „Alle auf den Boden!“, schrie einer der vermummten Beamt_innen, als sie mit ihrem Rammbock die letzte Tür durchbrachen – und von den singenden und Konfetti werfenden Aktivist_innen in Empfang genommen wurden. Sogleich zwangen sie die am nächsten zur Tür stehenden Leute mit Schlägen und Stößen zu Boden. Angesichts der herrschenden Gewaltbereitschaft seitens der Beamt_innen wurde der Aufforderung dann ohne körperlichen Widerstand Folge geleistet.

    Überhaupt war eine friedliche Konfliktlösung in aller erster Linie das Anliegen der Aktivist_innen: mit Parolen wie „Wir sind friedlich, was seid ihr!“ und „Keine Gewalt!“ konnten sie davon schnell auch die Beamt_innen überzeugen. Letztere ließen es sich aber trotzdem nicht nehmen, die größtenteils jungen Menschen ihre Überlegenheit deutlich spüren zu lassen. Sie forderten die (bereits sitzenden) Aktivist_innen dazu auf, sich knieend an der Wand aufzureihen und der Generator, dessen stinkende Gase wegen der offenen Balkontür allmählich in den Raum zogen, durfte trotz mehrmaliger Nachfrage nicht ausgestellt werden. Währenddessen wurden die Aktivist_innen gefilmt und mehrere Male Nahaufnahmen von denjenigen gemacht, die wagten das Wort zu ergreifen.

    Auch die weitere Verfahrensweise war nicht so friedlich, wie sie im Polizeibericht und von Ordnungsdezernent Markus Frank später dargestellt wurde. Die Beamt_innen begannen die Leute einzeln mit schmerzhaften Griffen aus der Gruppe zu zwingen. Einer Person wurde gezielt auf die Hand getreten, eine andere mit dem Gesicht über den Boden geschleift. Im folgenden Prozedere wurden illegalerweise Ganzkörperaufnahmen der Leute gemacht und einige berichteten sogar, dass sie dabei auch eine Vermummung nachstellen mussten. Rechtfertigt so die Frankfurter Polizei ihr Täterbild des „gewaltbereiten Autonomen“?

    Auch das unter Denkmalschutz stehende Haus selbst kam mehr zu schaden als es wahrscheinlich notwendig gewesen wäre. Treppenhaus und Erdgeschoss glichen einer einzigen Ruine, sämtliche Türen waren zu Kleinholz zerschlagen. Die Wand zur anderen Haushälfte wurde durchbrochen. Es bleibt wohl unklar was davon im Nachhinein als „Kollateralschaden“ den Aktivist_innen angehangen werden soll.
    Es offenbarte sich erneut die traurige Selbstverständlichkeit mit der Tritte, Schläge und Beleidigungen zum Repertoire „guter Polizeiarbeit“ gezählt werden – die Polizei wird im Nachhinein für ihre „friedliche Deeskalation“ gepriesen. Die kompromisslose Verfahrensweise gegen die Aktivist_innen und Unterstützer_innen und ihre ambitionierten Ideen ist das, was im öffentlichen Gedächtnis bleibt – und in den Stellungnahmen der Politiker_innen obendrein noch gutgeheißen wird. Der konstruktiven Rebellion der Marginalisierten bleibt weiterhin die Integration in einen demokratischeren Prozess der städtischen und kulturellen Gestaltung verwehrt.

     

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    Kontakt: leerstelle@riseup.net
    Blog: leerstelle.blogsport.eu
    Twitter: twitter.com/leerstelle_ffm
    Facebook: facebook.com/leerstelleffm

     
  • 14:47 am 20. March 2014 Permalink | Antwort  

    PM zur Kulturdebatte und Repression: Es werden weiter Zwischentöne angestimmt! 

    Frankfurt am Main, 20.03.2014

    Am Montag, dem 17.03.2014, intervenierten Aktivist_innen und Sympathisant_innen der Aktion L__rSt*ll* (Leerstelle), unter deren Namen am vergangenen Samstag in Frankfurt die leerstehende Professorenvilla Georg-Voigt-Straße 10 besetzt wurde, bei der Podiumsdiskussion des Hessischen Rundfunks „Die Kunst, zu fördern! Welche Kunst braucht Frankfurt?“ im Museum für Kommunikation.

     

    Fröhlich stampft die Jazzmaschine

    Auf dem Podium sprachen Peter Feldmann (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt), Ralph Förg (Geschäftsführer des Filmhaus Frankfurt), Liane Jessen (Fernsehspiel-Chefin des Hessischen Rundfunks), Willy Praml (Theatermacher und Regisseur) und Oliver Reese (Intendant des Frankfurter Schauspiels). „Doch wer erwartet bei dieser politischen Einheit aus ’sozial‘ orientiertem Finanzier, etablierten Instanzen der Popkultur und der ‚kritischen‘ Hochkultur noch eine wirkliche Diskussion“, so Berta Bricht, eine der Aktivist_innen.

     

    Break-Down

    Zu gegen waren auch gut ein Dutzend „Hausbesetzter und Jugendliche“, die die Veranstaltung „crashten“ (Journal Frankfurt „Hausbesetzer crashen Podiumsdiskussion“, 18.03.14). Ihr in Sprechchören und einem Redebeitrag vorgetragenes Anliegen brachte Schwung in die Gesprächsrunde, welche sich in der vorangegangenen Stunde thematisch nur zwischen Lobhudelei der Frankfurter Kultur und der immer problematischeren Finanzierungslage der etablieren Projekte bewegte – selbst Willy Praml kam gezwungenermaßen nicht umher vom Geld zu sprechen.
    Die Aktivist_innen betonten, dass schon seit mehreren Jahren Versuche unternommen wurden, einen Ort oder Raum für selbstverwaltete Kultur einzurichten. Dies sei seit der Räumung des Instituts für vergleichende Irrelevanz (kurz IvI), welches einen Teil der Kulturprojekte beherbergen konnte, noch dringlicher geworden. Jedoch werde ihr Anliegen immer nur unter dem Vorwurf der Militanz oder Rechtswidrigkeit (der Raumaneignung) unter den Tisch gekehrt. Politisch werde man marginalisiert und fände als Minorität in etablierten oder geplanten Projekten kein Gehör. Immer wieder hätten verschiedenste Gruppen Häuser in Frankfurt besetzt und immer wieder sei man vom Eigentümer – meist von der durch die Stadt eingesetzten ABG Holding (in Persona dem Geschäftsführer Frank Junker) – mit Hilfe der Polizei geräumt worden. Diese Räumungen hätten teils auf brutale Art und Weise stattgefunden und wären ohne Einbindung oder Gespräche mit den zuständigen Stadtpolitikern abgehandelt worden. Allerdings sehen die Aktivist_innen deshalb noch lange nicht von weiteren Aktionen ab. „Wir brauchen Hausbesetzungen! Anders wird das alles nie zum ernsthaften Thema und dann wird es bald gar keine Freiräume mehr geben in denen unsere Kultur Platz findet!“ meint Simone B.

     

    And the beat goes on …

    Im Anschluss an die lautstarke Unterbrechung, meldeten sich wieder die Podiumsteilnehmer zu Wort. Peter Feldmann machte den Anfang: „Also ich finde den Ansatz erst mal gut, dass junge Menschen versuchen im Bereich Kultur sich selbst zu organisieren. Ich hab das Privileg selber genommen, als ich in dem Alter war. […] Ob das jetzt nur über eine Hausbesetzung passieren muss, da mach ich mal ein Fragezeichen dran.“ (Quelle s.u.). Er habe nun als Oberbürgermeister die Möglichkeit „das Ganze von der Seite zu Beeinflussen“ und es seien Angebote seitens der Stadt gestellt um Veranstaltung aus diesem alternativen Spektrum zu ermöglichen. Für autonomes kulturelles Programm bedürfe es allerdings des selbstverwalteten und -gestalteten Raums, so die Aktivist_innen.
    Nach Peter Feldmann bezog Fernsehspiel-Chefin Liane Jessen Stellung: „Ich war Hausbesetzerin in Freiburg und wir haben das Haus besetzt und haben das zu der Zeit auch gekriegt, wie wir das haben wollten. […] Ich finde gut, dass ihr das macht.“ (Quelle s.u.). Weiterhin wies sie darauf hin, dass „ in dieser Stadt die schönsten Wohnungen“ leerstehen, – „riesige Altbauwohnungen, die einfach nicht vermietet werden.“ Dies sei ein „dermaßen schreiendes Unrecht.“ Es gehöre zur Kultur – zur Alltagskultur – , dass Menschen einen Ort zum Leben und Schlafen hätten. Hier fange Kultur an.

     

    … and on …

    Ohne sicheren und bezahlbaren Wohnraum für die Kulturschaffenden und nur an temporären Veranstaltungsorten, wie von Peter Feldmann angeboten, kann Selbstverwaltung nicht entstehen. Entgegen Feldmanns Aussage ist Hausbesetzung das einzige Mittel der Wahl, solange die Stadt Frankfurt keinen Raum dauerhaft zur Verfügung stellt. Das Willy-Praml-Theater, das Klapperfeld, das Café Exzess – Institutionen die auch von Peter Feldmann lobend erwähnt wurden – sind allesamt Fanal für die Notwendigkeit des selbstangeeigneten Raums zum Zweck einer alternativen Kultur, der kritischen Partizipation an der städtischen Entwicklung und somit eines breiten kulturellen Gesamtbilds in der Stadt. Das Feldmann im vergangenen Jahr, trotz der von ihm betonten Möglichkeiten, von jeder Kommunikation mit den Besetzern der neuen Hausprojekte absah und erst einmal die Räumungen abwartete, zeigt ein weiteres Mal auf, dass hier nur hohle Phrasen gedroschen werden. Es ist eben doch nicht möglich das Bestreben nach kultureller Entfaltung „zuzulassen“ und „zu ertragen“, auch wenn Peter Feldmann betonte: „Das gehört dazu.“

     

    You better lose yourself in the music

    Es hilft nicht, wenn drei der fünf geladenen Gäste der Podiumsdiskussion eine Vergangenheit als Hausbesetzer_in haben: Die schlussendlich aufgeblasene Debatte führt an der Realität der großflächigen Aneigung städtischer Areale durch die ABG vorbei.
    Kulturellen Projekten, die tatsächlich „von unten“ organisiert und gestaltet werden, wie dem des Philosophicums am ehemaligen Campus Bockenheim, stellt sich in der Realität die Leerstandsverwaltung ABG Holding entgegen. „Es muss wirtschaftlich sein,“ (fr-online „Jeder kann Wohnraum finden“, 24.02.14) bringt ABG-Chef Junker selbst die Krux, wenn Profitinteressen de facto zur entscheidenden Instanz der städtischen Kulturpolitik werden, auf den Punkt.
    Konsequenterweise verwehrt sich Junker der Einsicht, die acht Hausbesetzungen der letzten drei Jahre als notwendige Äußerung politischer und kultureller Partizipation anzuerkennen. Eine andere, diplomatischere Option, als ein Ultimatum bis zur Räumung zu stellen und sich damit im Interview als Vollstrecker der herrschaftlichen Ordnung zu inszenieren, kommt im Stadt- und Kulturverständnis Junkers nicht vor. „Dass sich Ordnungsdezernent und CDU-Mann Markus Frank für ein ebenso wenig differenziertes Verhältnis zu den Bewohner_innen Frankfurts und ihren Bedürfnissen stark macht, ist ein Armutszeugnis dieser ach so liberalen Stadt“, empört sich Herr K und meint weiter, „Hausbesetzungen bleiben und waren schon immer politischer Protest gegen die undemokratischen Wohn- und Eigentumsverhältnisse, kein kriminelles Vergehen.“

     

    With a sad Statue of Liberty

    Wir erinnern uns an den 7. September letzten Jahres. Die Initiative „communal west“ hatte bereits zum zweiten Mal ein Zeichen dafür gesetzt, dass das Konzept eines autonomen Kulturzentrums auch die Besinnung hin zur basisdemokratischen Stadtteilplanung darstellt. Trotz größter Bemühungen Stellungnahmen der Lokalpolitik einzuholen und Verhandlungsbereitschaft mit der Stadt zu zeigen, antworteten die Verantwortlichen mit polizeilicher Gewalt: mehrere Zivilbeamte stürmten ohne Vorwarnung (!) die Krifteler Straße 84 und schlugen auf die sich darin befindlichen Personen ein. Erst im Anschluss daran erfolgte die offizielle Räumung. Dies ist alles dokumentarisch belegt (s.u.).
    „In diesem Kontext kann und muss die Verbarrikadierung der Georg-Voigt-Straße 10 nur als Selbstschutz der Aktivist_innen verstanden werden“, so John C. Schließlich müsse mit einer ähnlich brutalen und verfassungswidrigen Vorgehensweise der Polizei gerechnet werden.

     

    Another brick in the wall

    Daher ließ man sich auch von den Drohgebärden Junkers nicht weiter einschüchtern. Der Aufforderung das Haus still und heimlich, ohne jegliches Gespräch mit der Stadt und somit ohne öffentliche Kenntnisnahme der Anliegen zu verlassen wurde keine Folge geleistet. Gemeinsam durchstand man Querelen mit und Repressionen von der Polizei. Am folgenden Tag gab es eine solidarische Demonstration durch Bockenheim und die Innenstadt. Deutschlandweit bekundeten andere Projekte ihre Solidarität. Die jetzt angedrohten Schadensersatzforderungen sind nur ein weiteres Zahnrad im Motor der Repressionsmaschinerie, die gegen Minoritäten, Marginalisierte und Irrelevantisierte aller Art läuft. Das angestrebte Verfahren beweist die Ignoranz gegenüber alternativen Kultur- und Wohnraumprojekten. Sollte es aufrecht erhalten werden bzw. ohne jede Intervention der Stadtpolitik bestehen bleiben, kompromittiert und diskreditiert sich letztere nur immer weiter. Es ist an der Stadt Raum zu Schaffen und Repression abzubauen. Wir werden nicht verstummen und weiter Zwischentönen Gehör verschaffen.

    Wir sind Teil einer Hausbesetzerbewegung!

    Blog: http://leerstelle.blogsport.eu/
    Facebook: https://www.facebook.com/leerstelleffm
    Twitter: https://twitter.com/leerstelle_ffm

     

    __________
    Quellen:

    Wörtliche Zitate der Podiumsdiskussion sind folgendem Video entnommen:
    https://www.youtube.com/watch?v=JVp0bPBAP-0&

    Dokumentation zur Räumung des Blauen Blocks:
    https://www.vimeo.com/74535509

     
  • 20:10 am 16. March 2014 Permalink | Antwort  

    PM zur Räumung: Zu keinerlei Diskussion bereit 

    Zu keinerlei Diskussion bereit
    Am Samstag, den 15.03.2014, besetzte das Projekt L__rSt*ll* (Leerstelle) ein leer stehendes Gebäude in der Georg-Voigt-Strasse 10. Keine 4 Stunden später wurde das Gebäude bereits geräumt. Frank Junker, Chef der ABG und damit neuer Besitzer des ehemaligen Universität’s Gebäudes, erklärte sofort nach seiner Ankunft, dass das Haus innerhalb von 15 Minuten zu verlassen sei sonst würde es „ungemütlich“. Denn wenn er „das nicht gleich mache“, so Junker gegenüber der Frankfurter Rundschau, dann „bekommen wir die Leute irgendwann nur noch zivilrechtlich da raus und das kann dauern”.
    „So sehen also Verhandlungen aus – aber wir haben auch nichts anderes erwartet.“, stellt Besetzerin Berta Bricht fest und fährt fort „In den Zeitungen wird es wieder heißen: jugendliche Straftäter_innen schlugen Verhandlungen aus. Jedoch ist Junkers Aufforderung nicht als Gesprächsangebot, sondern viel mehr als Kriegserklärung zu lesen.“
    Die Polizei schlug sich dann mit einiger Mühe durch verbarrikadierte Türen. Vor der Tür hatten sich um die 100 Menschen versammelt um die eingeschlossenen Besetzer_innen nicht alleine zu lassen und den Polizeieinsatz zumindest verbal zu begleiten.
    Eine spontan herbei geeilte Frau berichtet: „Wir kennen das ja schon von früheren Einsätzen in Frankfurt, da wird schnell im toten Winkel mal zugeschlagen. Bei der Casino Besetzung war das ja auch so und das schimpft sich dann Deeskalation.“
    Die Polizei versuchte ihrerseits zu „deeskalieren“ und ließ über ihren Lautsprecherwagen verlauten dass es nur „Personalienkontrollen“ geben wird. Dies stellte sich als Falschaussage heraus. Als die versammelten Polizeikräfte es geschafft hatten das Haus zu betreten und zu den Besetzer_innen vorgedrungen waren, stellten sie diese einzeln an die Wand und filmten sie ab. Während der Räumung kam es zu mehreren Übergriffen seitens der Polizeibeamt_innen, was zu mittelschweren Verletzungen bei mehreren Besetzer_innen führte. „Einer beteiligten Person wurde gezielt auf die Hand getreten und eine weitere Person wurde an ihren Beinen über den Boden geschliffen, so sieht Deeskalation und friedliche Räumung aus,“ empört sich Herr K, „durch physische Gewalt, (Kamera-)Überwachung und alltägliche Kontrollen, sollen Personen mit ’störenden Positionen‘ eingeschüchtert und Kritik im Keim erstickt werden.“ Eine Gruppe Minderjähriger wurde von den Polizeikräften ohne Vorwarnung aus der Gruppe herausgerissen.

    Ohnmacht – School. Work. Death.

    Nachdem die Gruppe „schlaflos in frankfurt“ 2011 auf die katastrophale Wohnraumsituation aufmerksam machte, übernahm die Stadtpolitik diese Thematik. Seitdem machen die Parteien in bester Pseudomanier (Wahlkampf-)Reklame für bezahlbaren Wohnraum und eine soziale Stadt. Im Endeffekt wurde nichts davon umgesetzt. Engagement von frankfurter Bewohner_innen wurde, wie bereits in der vorherigen Pressemitteilung aufgelistet, repressiv zerschlagen. „Denn eine Sache scheint klar: wir sind kriminelle Hooligans, mit verkommener Sozialmoral, die keinerlei Respekt vor Privateigentum haben und in brutaler Gangmanier ihre Forderungen durchsetzen wollen“, sagt Jank Frunker grinsend, „und deshalb besetzen wir Häuser und prügeln uns in der Freizeit gerne mit Bullen, wir haben schließlich sonst keine Hobbys.“ Aus dem Leerstand sollte ein Ort für politischen Austausch entstehen, stattdessen wurde es ein erneutes Symbol für die herrschaftliche Gewalt zur Aufrechterhaltung des Status Quo. Schon bei den Banlieue Riots und den London Riots vor ein paar Jahren hieß es jedes mal, dass es kein politischer Protest sei, sondern lediglich gewalttätige Jugendliche die auf der Straße randalieren.
    „Don’t bloody give me that
    I’ll lose my temper
    Who closed down the community centre?
    I kill time there used to be a member
    What will I do now until September?
    School’s out, rules out, get your bloody tools out
    London’s burning, I predict a riot
    Fall in fall out
    Who knows what it’s all about“ (Plan B – Ill Manors)
    „Der Versuch der eigenen Leere zu entkommen, Wünsche, Träume und Hoffnungen zu entwickeln und Räume zu produzieren, in denen wir diese auch Umsetzen können wird weitergehen“, sagt John C.

    Include Me Out – Exclude Me In
    Marginalisierte Gruppen finden keinen Platz in Frankfurt, schließlich sind sie kein Standordargument, sondern lediglich lebende Menschen. Diese können ignoriert, geräumt, zusammengeschlagen und abgeschoben werden, zumindest wenn es nach dem öffentlichen Diskurs geht. Während Joachim Brenner vom Förderverein Roma dafür plädierte, wohnungslose Roma in den Räumlichkeiten unterzubringen, stellte ABG-Junker in der Frankfurter Rundschau klar: „Das wird eher teures Wohnen.“ Im gleichen Atemzug sollen morgen, am Montag dem 17.03. ab 06:00 Uhr, prekär wohnende Flüchtlinge in der Gutleutstraße 322 geräumt werden. Angeblich sollen sie ein Hotelzimmer bekommen, ob das der Fall ist werden wir sehen. Wir rufen dazu auf, dort vorbei zu kommen und dem gesamten Vorgang bei zu wohnen.
    Danach findet unter dem Motto „Die Kunst, zu fördern! Welche Kultur braucht Frankfurt?“ um 18Uhr eine Podiumsdiskussion im Museum für Kommunikation statt. Da dürfen wir selbstredend nicht fehlen und schauen mit unserer Theatergruppe für eine kritische Performance vorbei.
    Aktuelle Informationen zur just in diesem Moment stattfindenden Spontandemonstration folgen noch.

     
  • 14:00 am 15. March 2014 Permalink  

    PM zur Hausbesetzung in der Georg-Voigt-Straße 10 am 15.03.2014 

    Am 15.03.2014 wurde die Villa in der Georg-Voigt-Straße 10 unter dem Namen L__rSt*ll* (Leerstelle) besetzt.

    Lange ist es nicht her, dass Bürger_innen in Frankfurt aktiv eigenen Raum forderten. Die Versuche dabei mit der Stadt zu kooperieren haben ins Leere geführt, die Repräsentant_innen begegneten dem mit Ignoranz und ließen die letzten Besetzungen immer zügig räumen.

    Lang bestehende und renommierte Projekte wie das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ wurden geräumt, neue Versuche sich die Räume anzueignen, wie der „Blaue Block“, sind schnell beendet worden. „Gespräche sind immer wieder gescheitert“, bemerkt Simone B. „deshalb sehen wir es nicht ein, diese zum wiederholten Male aufzunehmen, wenn unser Begehren ohnehin nicht ernst genommen wird. Wir haben uns entschlossen dies nicht länger hinzunehmen.“

     

    Trümmerhaufen der Geschichte – Access Denied

    In Anbetracht der vergangenen Bauprojekte der Stadt Frankfurt zeichnet sich bereits ein katastrophales Bild ab, dass nach kollektiver Selbstaneignung gerade zu schreit. Großartige Prestigeobjekte, wie das Palais Quartier – Bauprojekt MyZeil – in der City und die ewige Baustelle Goethe-Universität sind schon gescheitert oder zumindest im Begriff dazu. Eben jene Gebäude bieten, für die meisten Personen, nur einen eingeschränkten Zugang; durch begrenzte, klar zugewiesene Funktionen und der darüber ausgeführten Kontrolle. Der Aufenthalt in MyZeil ist nur möglich, solange man brav von Laden zu Laden einkaufen geht. Parallel dazu wird man, falls man kein_e eingeschriebene Student_in ist, vom Gelände der Frankfurter Universität verwiesen; nicht das dieses besonders schön wäre: Am Neubau des viel gerühmten IG Farben Campus, Projekt „Harvard am Main“ oder auch „Palast des Geistes“ genannt, häufen sich derweil die Sanierungsfälle obgleich viele Fachbereiche noch nicht einmal über eigene Gebäude verfügen und die Gelder dafür weiterhin fehlen. Trotz mehrerer Wochen unerträglich überfüllter Hörsäle und Seminarräume zu Beginn eines jeden Semesters hat sich die Präsidiumsleitung weiterhin nur um die öffentliche Anpreisung als Prestige Universität gekümmert, statt um den Ausbau fehlender Kapazitäten.

    Somit hat es keines der Großprojekte geschafft zu einem integralen Teil des alltäglichen Lebens zu werden… die Liste der Beispiele ist endlos….

     

    Wasted Youth – There’s nothing left to say!

    Neu- und Umgestaltung des Stadtbildes ist durchaus begrüßenswert, jedoch fehlt bei all diesen Projekten jegliche Spur der Integration der Bürger_innen seitens der Stadt und Stadplanung. Bürger_innenbeteiligung gestaltet sich als ein platter Vortrag über die neuen Bauprojekte, deren Ausgestaltung bereits abgeschlossen ist: Das ist der von der Stadt sogenannte Dialog. „Die Demokratie wird bloß medial verhandelt!“ sagt Herr K. „Es gibt keine wirklichen Möglichkeiten zur Partizipation.“ Dabei werde man überall durch Werbung der Stadt zu Pseudobeteiligung am politischen Prozess aufgerufen, oder wie das Känguru meint:

    »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein. […] Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wählen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: Alles Kapitalismus, alles Nestlé, alles Hähnchen. Da ich nun aber generell keine Tütensuppe essen will, ist mir die Markenwahl im Supermarkt eben schnurzpiepe.« (Marc-Uwe Kling „Känguru Chroniken“)

    Selbstständig initiierte und geplante Projekte, wie das Philosophicum, scheinen angesichts „mangelnder Rentabilität“ gekippt zu werden. Stattdessen wird das Gebäude – ebenso wie der Rest des ehemaligen Campus Bockenheim – an die ABG Holding, eine Tochter-Firma der Stadt Frankfurt, zu Spottpreisen verkauft und muss somit dem neuen „Jahrhundert-Projekt“ der Stadt Frankfurt weichen: dem Kulturcampus.

    Die anerkannte Elite der Künste und Wissenschaft begebe sich dann in gemeinsamen Dialog. So wird das Vorhaben auf der offiziellen Seite noch beworben. Allerdings läuft die Verwaltung durch ABG Holding doch nicht so gut wie geplant. So fehlt der Hochschule für Musik und Darstellende Künste immer noch eingeplante Fläche, da der Umzug der Goethe-Universität sich wegen vielfacher Fehlplanungen stetig verzögert. Inwiefern der im selben Rahmen geplante Bau zusätzlicher Bürogebäude zur Senckenberganlage hin der Förderung der Kultur beiträgt und angesichts der hohen Anzahl leerer Bürofläche nötig ist, bleibt auch ein Rätsel. Zumal die Mieten im gesamten Stadtteil, Bockenheim, in den letzten drei Jahren bereits um fast 20% gestiegen sind. Tendenz steigend.

    „Die Stadt plant fröhlich weiter, ohne hierbei Rücksicht auf ihre Einwohner_innen zu nehmen“, meint Jank Frunker, „Wer nicht bereits zu den Etablierten gehört, hat ohnehin keine Kultur zu machen – wer wenig Geld hat, nicht in der Innenstadt zu wohnen – und wer nicht repräsentiert keine Entscheidungen zu treffen; so ist das credo!“

    Bereits an Weihnachten letzten Jahres wurde sich das ehemalige Musikwissenschaftsinstitut vorübergehend angeeignet um der ach so friedlichen und stillen Nacht, etwas Techno entgegenzusetzen. Die Villen in der Georg-Voigt-Straße stehen nach wie vor alle leer, dabei gibt es Nutzungskonzepte und -ideen zu Hauf‘. Es wäre sowohl sinnvoll als auch wünschenswert der Forderung des „Förderverein Roma“ nachzukommen und hier Appartements einzurichten. Gleichzeitig gäbe es genug Raum um zudem dem ‚Institut für vergleichende Irrelevanz‘ und „uns“ der ‚L__rSt*ll*‘ zwei Doppelhälften einer Villa zu überlassen.

     

    Fast Forward – Into Future

    Das Projekt, dass die Villa bezieht, möchte ein Kontrast dazu sein. Differenzierte, unabhängige Konzepte sollen anstelle der Superlative treten. “Es soll ein Platz und somit Gehör für die schüchternen, unfertigen, fantastischen, dreckigen oder widerspenstigen Zwischentöne geschaffen werden.“ sagt John C. , ein Schüler, mit unüberhörbarem Enthusiasmus. Ein Container für Experimente, Träume und Eigeninitiativen werde damit geöffnet. Projekte, die sich nicht finanziell rentieren könnten und müssten, die nicht für Prestige einer Stadt herhalten sollten und deshalb auch nicht im perfekten Design des Kulturcampus auftauchen, fänden hier Raum. „Deswegen haben wir beschlossen dieses Haus mit allen uns verfügbaren Mitteln zu halten,“ sagt Berta Bricht entschlossen „Denn es soll hier ein Ort entstehen, der für alle offen ist, die an dem Versuch einer herrschaftsfreien Kultur partizipieren wollen. In einem wöchentlich stattfindenden Plenum besprechen wir gemeinsam Inhalte und die weitere Nutzung.“

    Geplant ist zunächst ein generationen- und milieuübergreifendes Café, das sowohl ein Treffpunkt zum Rumhängen, als auch ein alternativer Ort der Reflexion sein kann. Das Café soll, jenseits des institutionellen Rahmens von Bildung, Zeit und Raum bieten. Dort können dann selbstverantwortlich, kreativ und selbstbestimmt ein gegenseitiges Lernen, wie beispielsweise in Workshops ermöglicht werden. Am Tag der geöffneten Tür wird zudem mit der dokumentarischen Ausstellung „Leerstelle“ ein Vorgeschmack geboten. Einem blanken Blatt Papier und der noch nicht bemalten Leinwand gleichend stellt jedes leerstehende Haus eine Leerstelle – ein Fehlen von – dar, dass zum fantasieren, träumen und gestalten gerade zu einlädt. Gleichzeitig verweist sie auf all jene Zwischenräume und Nischen in der Gesellschaft, die keine vordefinierten, klaren Grenzen haben.

    Im Allgemeinen: Eine Leerstelle die Raum bietet für all jene Wünsche, Hoffnungen, Träume und Ängste, die im Alltag immer wieder unerreichbar scheinen und letzten endes durch die gesellschaftlichen Verhältnisse verunmöglicht werden und doch als >Prinzip Hoffnung< bleiben.

     

    TWITTER: @leerstelle_ffm und #ffm1503 / #leerstelle

    BLOG: leerstelle.blogsport.eu

    FACEBOOK: https://www.facebook.com/leerstelleffm

     
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